«Good Vibes Only» hatten sich die Veranstalter des Glücksgefühle-Festivals erhofft. Aber nach dem Hin und Her um politische Äußerungen und die Aus- und Wiedereinladung der Band Alphaville schwang bei vielen Auftritten auf dem Hockenheimring ein anderer Sound mit. «Willkommen auf der politischen Veranstaltung», rief etwa DJ Felix Jaehn von der Bühne aus seinen Fans zu und positionierte sich als queere Person deutlich gegen Rechts. Und für die Berliner Band Culcha Candela ist Glücksgefühle inzwischen «zum politischsten Festival Deutschlands» geworden. Denn auch am zweiten Festivaltag sorgte der Streit um Alphaville abseits der guten Stimmung auf dem Ring und der ausverkauften Tickets für Misstöne und Debatten. Marian Gold, dessen Band Alphaville zunächst ausgeladen und später wieder eingeladen wurde, kritisierte den Schritt der Veranstalter scharf und warnte vor rechtsradikalen Tendenzen in Deutschland. «Was die Festivalmacher durchsetzen wollten, ist Beschneidung», sagte Gold dem «Spiegel». «Man kann als Veranstalter nicht einfach bestimmte Dinge ausblenden, weil die einem am Künstler nicht passen.» Alphaville («Big in Japan», «Forever Young») hätte an diesem Wochenende bei dem Festival auftreten sollen, einem der größten Musikfestivals in Deutschland. Die Organisatoren hatten jedoch erklärt, ihr Festival sei «keine Plattform für politische Äußerungen». Da sich Alphaville bei einer früheren Veranstaltung mehrfach politisch geäußert hatte, wurde die Band ausgeladen - und später wieder eingeladen. Sie akzeptierte die Entschuldigung, verzichtete aber auf den Auftritt. Der 72-jährige Gold warnte vor rechtsradikalen Tendenzen in Deutschland: Es sei höchste Zeit, «sich den demokratiefeindlichen und rechtsradikalen Bewegungen, die immer mehr an Boden gewinnen, vehement entgegenzustellen, bevor es zu spät ist», sagte Gold. «Zu spät» sei es dann, wenn solche Kräfte durch Wahlen in Ämter gelangten und die durch das Grundgesetz garantierten Rechte einschränken oder abschaffen könnten. «Wenn ihnen das gelingt, dann gute Nacht, Deutschland», sagte er. Gold sieht in der Debatte aber auch einen positiven Effekt: Das mediale Aufsehen habe den öffentlichen Diskurs über die Zukunft Deutschlands befördert und «vielleicht viele Menschen aufgeweckt». In einem Instagram-Post bedankte er sich zudem für die «unfassbare Welle der Solidarität» und schrieb: «Ihr habt dieses Festival in Eure eigenen Hände genommen und gezeigt, dass Glücksgefühle das Ergebnis einer inneren Haltung sind und nicht einer Verordnung von oben.» Am Samstagabend trat die Kult-Popband No Angels auf und trug dabei T-Shirts mit der Aufschrift «FCK AFD». «Wir stehen für Vielfalt, für Gleichheit, für freie Liebe. Uns ist eines wichtig: Die Würde des Menschen ist unantastbar», sagten die vier Sängerinnen. Popstar Mark Forster betitelte den Alphaville-Hit «Forever Young» bei seinem Auftritt als «Nationalhymne Hockenheims». Zuvor hatte sich Rapper Ski Aggu, der in der Nacht auf Samstag auftrat, bei seinem Set für die Freiheit von Künstlern stark gemacht. «Wenn ihr eine Meinung habt, dann lasst sie Euch niemals verbieten», sagte er von der Bühne. Es sei «absolut selbstverständlich, dass man für Werte eintritt, einsteht, wie Demokratie, Meinungsfreiheit, Freiheit». Als Künstler solle man Haltung zeigen können und dürfen. «Man sollte für die Dinge einstehen können, für die man steht.» Mitveranstalter Markus Krampe hatte bereits am Freitag seine ursprüngliche Entscheidung, Alphaville auszuladen, als Fehler bezeichnet: «Das ist superdämlich gewesen.» Er hätte es begrüßt, wenn die Band nach der Wiedereinladung aufgetreten wäre - «dann hätten wir vielleicht auch ein Zeichen setzen können». Ex-Fußballstar und Mitorganisator Lukas Podolski stellte sich trotz der Kontroverse hinter seinen Partner: «Jeder macht irgendwie mal ein Missgeschick, einen Fehler im Leben.» Zugleich warnte er Kritiker vor Beleidigungen in sozialen Medien: Er lasse weder seine Familie noch sich selbst beleidigen und wolle sich nicht in eine politische Ecke drängen lassen.Misstöne und viel gute Laune
«Dann gute Nacht, Deutschland»
Sänger Gold: Debatte hat viele aufgeweckt
Veranstalter rudern zurück - Podolski warnt vor Beleidigungen
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Nicht nur «Good Vibes»: Alphaville-Streit geht weiter
Nach dem Hin und Her um einen Alphaville-Auftritt prägen politische Diskussionen auch den zweiten Tag des Glücksgefühle-Festivals. Was Künstler und Veranstalter dazu sagen.
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