Der Gemütlichkeitstrend in der Mode hat einen neuen Höhepunkt erreicht: Angesagt - und das in der breiten Masse - sind Kleidungsstücke im Stil von Pyjama und Nachthemd. Das könnte verwundern auf den ersten Blick. Allerdings gibt es ein paar gute Gründe dafür, warum ausgerechnet das so gekommen ist. Es liegt optisch so nahe, manche Pyjama-Varianten nicht im dunklen Schlafzimmer zu verstecken: Es handelt sich ja schließlich um Hemden und weich fließende, schickere Hosen, oftmals gar aus schimmernder Seide und herrlichem Samt. Aufwendige Paspelnähte und eine Brusttasche am Hemd (wie die fürs Einstecktuch) haben vermutlich schon immer manchen verwundert: Wofür braucht man die zum Schlafen? Und überhaupt, die Nadelstreifen: So manche zweiteilige Schlafanzug-Kombination erinnert gar an einen schicken Anzug eines erhabenen Mafiosos oder die Oberteile an das beste Sonntagshemd. Negligés und Babydolls sind oft mit Spitzen besetzt. Sie alle gibt es nun - auf dem Laufsteg und in der Werbung deutlich für den Alltag am Tag im und außer Haus statt fürs Schlafen beworben - bei den gängigen Marken für den breiten Markt, aber auch von den großen Modehäusern. Prada, Michael Kors und Dolce & Gabbana, um nur ein paar zu nennen. Für die Modezeitschrift «Elle» sind übrigens die Pyjamahosen gar «der Hosentrend im Sommer 2026». «Pyjama Pants sind die vielleicht bequemsten, luftigsten und wandelbarsten Hosen in diesem Jahr. Sie machen extrem viel Spaß, sehen gut aus und lassen sich maximal angenehm tragen – mehr kann man von einer Hose nun wirklich nicht erwarten», so die Analyse der Modeexperten. Warum ist ausgerechnet ein Bett-Look so beliebt geworden? «Der Pyjama-Look negiert die Trennung zwischen Freizeit und Arbeit, privat und öffentlich, drinnen und draußen und signalisiert damit, dass man ein Leben führt, in dem diese Grenzen nicht existieren», erläutert Carl Tillessen, Trendanalyst und Geschäftsführer des Deutschen Mode-Instituts in Köln. Von so einem Leben träumten seiner Meinung nach viele Menschen. Mit einem «Job mit 100 Prozent Home-Office, 100 Prozent Gleitzeit, ohne repräsentative Verpflichtungen und ohne Kleidervorschriften – das Ganze am besten noch in Breitengraden, in denen das Klima draußen genauso mild ist wie drinnen», führt Tillessen aus. Und es gibt eine Vorgeschichte: Den modischen Weg ebnete die Pandemie mit Lockdown. Seither gibt es für viele Menschen ein Arbeitsumfeld ganz oder teilweise im Home-Office. Das brachte unter anderem erst die Jogginghose und Trainingskleidung nach vorne - nicht nur fürs Faulenzen auf der Couch oder fürs Training. Auch wenn das zuvor kaum vorstellbar war: Zum Schlafanzug war es ab da eigentlich nur ein kleiner modischer Sprung. Je weiter wir uns von den Pandemie-Zwängen entfernen, umso mehr Bedürfnis gibt es aber nach wieder schickeren Looks. Will heißen, die Schnitte und der Komfort sollen gerne bleiben, aber eben nicht mehr der Faulenzer-Look. Da setzt auch der aktuelle Modetrend mit den oft sehr schick aussehenden Nicht-mehr-nur-Schlafanzug-Kombinationen an. «In vielen Bereichen hat sich die grenzenlos bequeme Kleidung, an die sich die Menschen im Lockdown gewöhnt haben, als neues Normal durchgesetzt. Aber zwischen Bequemlichkeit und Verwahrlosung liegt eben oft nur ein schmaler Grat», erklärt Modeexperte Tillessen. Und er rät, in Anlehnung an ein berühmtes Zitat des Modeschöpfers Karl Lagerfeld: «Um diesbezüglich über jeden Verdacht erhaben zu sein, empfiehlt sich ein frisch gebügelter Pyjama aus Seidensatin mit Paspelierungen, der unmissverständlich klarstellt, dass man – im Gegensatz zu den Trägern ausgebeulter Fernseh-Jogginghosen – die Kontrolle über sein Leben noch nicht verloren hat.» «Auch in anderen Bereichen wird der Lockdown-Look auf die nächste Ebene gehoben», ergänzt Trendanalyst Tillessen. «Athleisure» - also Sportbekleidung für Freizeit, Büro oder andere Bereiche abseits des Sports - werde zu «Athlegance». Das sei «eine Variante in eleganteren Farben, edleren Materialien und raffinierteren Schnitten, die sich eher für den großen Auftritt eignet als dafür, alle Folgen einer Serie nacheinander zu gucken», so Tillessen.Zu stilvoll fürs Bett
Eine grenzenlose Mode
Schicker als die übliche Jogginghose
Bildnachweis: © Luca Bruno/AP/dpa
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