Eben noch der Auffassung, den gestrandeten Buckelwal vor Poel in Frieden sterben zu lassen, überrascht Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) mit der plötzlichen Duldung eines privaten Rettungsversuchs. Seine Berater aus der Wissenschaft reagierten verwundert, war er doch bis dahin ihren Empfehlungen gefolgt. Die lauteten: Der Wal ist geschwächt, liegt vermutlich bereits im Sterben und sollte im hüfttiefen Wasser der Insel-Bucht namens Kirchsee in Ruhe gelassen werden. Am ersten Tag der Rettungsaktion, die unter anderem von Mediamarkt-Gründer Walter Gunz finanziert wird, war Backhaus schon morgens vor Ort auf der kleinen Ostsee-Insel Poel nahe Wismar und beobachtete die Maßnahmen des Teams. Entscheidend sei, sagte er, dass nun erstmals ein geeignetes, ernstzunehmendes Konzept vorliege, das minimalinvasiv vorgehe. Der Wal dürfe nicht verletzt, ihm dürfe nicht geschadet werden. «Solange das eingehalten wird, sehe ich keinen Grund, dass die Chance nicht genutzt wird.» Backhaus ist seit 1998 Minister in Mecklenburg-Vorpommern. Die Koalitionen kamen und gingen - Backhaus ist geblieben. Gibt das Verhalten im Wal-Drama einen Hinweis auf sein Erfolgsgeheimnis? Mit inzwischen 28 Jahren am Schweriner Kabinettstisch ist er Deutschlands dienstältester Minister. Eine gewisse Anpassungsfähigkeit oder auch Pragmatismus kann man Backhaus nicht absprechen. Er sucht den Weg am Widerstand vorbei und verweist gern auf wissenschaftliche oder rechtliche Grundlagen seiner Positionen. Ein Beispiel ist sein Agieren im Streit um das LNG-Terminal auf der Urlaubsinsel Rügen. Anfang 2024 hieß es aus seinem Haus: «Von Anfang an haben wir gegenüber dem Bund kommuniziert, dass wir das Projekt so nicht unterstützen, da wir Zweifel an der Gasmangellage haben.» Gleichzeitig hatte Backhaus betont, dass sein Ministerium rechtsstaatliche Genehmigungsverfahren für das Projekt gewährleisten werde. Im März 2026 - alle Genehmigungen waren erteilt und das Terminal in Betrieb - sagte er, «dass es richtig ist, dass dieses Terminal, das Einzige, das in Ostdeutschland existiert, funktioniert und wir die Verantwortung in Deutschland mit übernehmen». Zurück zum Wal. Auf Poel sagte Backhaus, dass alle Beteiligten wüssten, dass der Buckelwal sich in einem schwierigen Zustand befinde. «Aus meiner Sicht hat der Wal aber auch eine Chance.» Er zeige nach wie vor Aktivitäten. Ab und zu bewege er die Flossen. Er hebe den Kopf aus dem Wasser, atme regelmäßig und kommuniziere durch Rufe. Bei allem Wohlwollen finde er, dass auch die Wissenschaft sich mal irren könne. Die Verantwortung für den Gesamtprozess liege nun bei den privaten Organisatoren. Es sei der 17. Tag, an dem der Wal dort liege, so Backhaus weiter. «Und ich habe immer gesagt, ich werde diesen Wal bis zum Ende begleiten, in die Freiheit fürs Leben oder auch andersrum. Und dazu stehe ich.» Der AfD-Landesvorsitzende Leif-Erik Holm warf der Landesregierung und insbesondere Backhaus vor, das Drama um den Buckelwal für den Landtagswahlkampf einzusetzen. «Man hat schon ein bisschen den Eindruck, dass die Landesregierung versucht, den Wal jetzt zu Wahlkampfzwecken zu benutzen. Der Umweltminister ist ja quasi täglich vor Ort», sagte Holm im RTL-Interview. Die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern findet am 20. September statt.Der dienstälteste Minister Deutschlands
Backhaus: Die Wissenschaft kann auch mal irren
AfD wirft Backhaus Wahlkampf mit Wal-Drama vor
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Der wandelbare Minister Till Backhaus
Das überraschende Ja zum privaten Rettungsversuch des Wals hat dem MV-Umweltminister Sympathien der Wal-Fangemeinde eingebracht. Ein Hinweis auf sein Erfolgsgeheimnis als dienstältester Minister?
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