26. Juli 2026 / Aus aller Welt

Forscher: Flut an Negativnachrichten drückt die Stimmung

Krisen, Kriege, Katastrophen – die vielen schlechten Nachrichten drücken nach Angaben von Zukunftsforscher Opaschowski die Stimmung in Deutschland. Können die Medien daran etwas ändern?

Zukunftsforscher Horst Opaschowski gibt den Medien eine Mitschuld an der pessimistischen Stimmung in Deutschland. (Archivbild)
Veröffentlicht am 26. Juli 2026 um 06:30 Uhr

Seit der Coronakrise breitet sich nach Einschätzung des Hamburger Zukunftsforschers Horst Opaschowski eine pessimistische Grundstimmung in Deutschland aus. «Immer mehr Menschen wissen in den andauernden Krisenzeiten nicht mehr, worauf sie sich freuen können», sagt Opaschowski (85), der seit vielen Jahrzehnten die Stimmung mit repräsentativen Umfragen ermittelt. 

Eine Mitschuld an dem zunehmenden Pessimismus haben nach den Worten des Zukunftsforschers die Medien. Die Verbreitung negativer und gefälschter Nachrichten führe bei der Bevölkerungsmehrheit zu «Angst vor der Zukunft». Das gehe aus Umfragen in Kooperation mit dem Ipsos-Institut in den Jahren 2020 bis 2024 hervor. Jeweils rund drei Viertel der Befragten hätten sich so geäußert. «Ständige Alarm- und Krisenmeldungen wirken wie ein Brandbeschleuniger», sagt Opaschowski. 

Er betont zugleich, dass die Bevölkerung nicht naiv sei. Sie wolle informiert und aufgeklärt werden. Die Bürger erwarteten aber auch positive News und Lösungsansätze in Politik und Medien. «Die anhaltenden Negativnachrichten ohne Lösungen sind für sie einfach zu dominant», meint der Forscher. Die Bevölkerung habe den Eindruck, dass Medien an Negativnachrichten mehr Gefallen fänden als an guten Geschichten.

Bayern lassen sich von Fake News weniger verunsichern

Zur Verunsicherung trügen auch Fake News bei. Die Aussage «Gefälschte Nachrichten (Fake News) sorgen für wachsende Zweifel an im Internet verbreiteten Informationen» stieß in einer repräsentativen Umfrage vom vergangenen Mai bei 76 Prozent auf Zustimmung. Allerdings hatten im Jahr 2024 noch 84 Prozent der Befragten erklärt, Fake News verunsicherten sie. 

Es stelle sich die Frage, ob die Deutschen inzwischen bewusster mit dem Problem umgehen könnten oder sich mehr an Fake News gewöhnten, sagte Opaschowski. Auch regional scheint die Wirkung von gefälschten Nachrichten unterschiedlich zu sein. Bayern machen sich derzeit deutlich weniger Sorgen um Fake News (74 Prozent) als Nordrhein-Westfalen (90 Prozent). Aus den Befragungen in den übrigen Bundesländern gingen keine Extremwerte hervor oder sie seien wegen der geringen Fallzahl nicht auswertbar, erklärte der Zukunftsforscher.


Bildnachweis: © Christian Charisius/dpa
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