11. Juni 2026 / Aus aller Welt

Großer Walfriedhof im Indischen Ozean entdeckt

So groß, alt und tief ist kein anderer entdeckter Walfriedhof: Im Indischen Ozean haben Forschende fast 500 - teils Millionen Jahre alte - Walüberreste gefunden.

Walknochen liegen am Meeresgrund in der Diamantina-Zone im Indischen Ozean.
Veröffentlicht am 11. Juni 2026 um 10:54 Uhr

Einen gigantischen Walfriedhof haben Forschende im Südosten des Indischen Ozeans entdeckt. Rund 1.000 Kilometer westlich der australischen Stadt Perth stießen sie in der Diamantina-Bruchzone in rund 7.000 Metern Tiefe auf aus dem Sediment ragende Knochen. Nie zuvor wurden Walfossilien auch nur annähernd in einer solchen Tiefe entdeckt wie bei der Expedition mit dem chinesischen Tauchboot «Fendouzhe» Anfang 2023.

Bei mehr als 30 weiteren Tauchgängen wurde das Ausmaß der sogenannten Nekropole deutlich. Sie erstreckt sich über eine Länge von 1.200 Kilometern und liegt in einer Tiefe von 4.200 bis 7.000 Metern, wie das Team um Xiaotong Peng von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften in Sanya im Fachjournal «Nature» berichtet. Es handele sich um den mit Abstand tiefsten, größten und ältesten bekannten Walfriedhof. Fast 480, teils mehrere Millionen Jahre alte Überreste von Walen machten die Forschenden aus. 

Überreste von lebenden und ausgestorbenen Wal-Arten

Wenn ein Wal stirbt, sinkt der Kadaver gewöhnlich in die Tiefe, landet auf dem Meeresgrund und dient dort als Nahrungsgrundlage für eine Vielzahl von Organismen. Insgesamt seien solche sogenannten Walstürze zwar sehr häufig, schreibt die Gruppe, dokumentiert seien bisher aber nur etwas mehr als 70 derartige Areale. Es sei davon auszugehen, dass es weltweit noch viele andere Walfriedhöfe gibt. 

Das Team fand Überreste heute noch lebender Arten wie Andrew-Schnabelwal und Layard-Wal, aber auch längst ausgestorbener Spezies, etwa von Vertretern der Schnabelwal-Gruppen Pterocetus und Izikoziphius.

Dass sich ausgerechnet in dieser Region so viele Walreste häufen, hat den Forschenden zufolge mehrere Gründe. Zum Beispiel trage die V-förmige Topographie der tief eingeschnittenen Zone dazu bei, dass sich Kadaver ansammelten. Auch wiesen gerade Schnabelwale eine sehr hohe Knochendichte auf - ihre Skelette werden also besonders langsam zersetzt. Zusätzlich geschützt würden sie durch eine Schicht aus Eisen-Mangan-Oxid, die die Fossilien überzieht.


Bildnachweis: © Global TREnD, IDSSE/Nature/dpa
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