6. Juni 2026 / Aus aller Welt

Raus aus den Klamotten – FKK erlebt zögerliches Comeback

Immer mehr Menschen entdecken die Freikörperkultur (FKK) in Deutschland neu. Auf Campingplätzen, Sportplätzen oder Wanderwegen wächst das Interesse, auch bei Jüngeren.

Auf Nackt-Wanderwegen können die Menschen nackig oder mit Klamotten spazieren gehen. (Archivbild)
Veröffentlicht am 6. Juni 2026 um 05:00 Uhr

Es gibt überzeugte Naturisten. Und es gibt Menschen, die sich eher zufällig auf einen FKK-Campingplatz verirren. «Am ersten Abend sind sie vielleicht noch ein bisschen gehemmt, am zweiten sitzen sie dann plötzlich ohne Badebekleidung an der Badestelle und am dritten haben sie sich überlegt, dass sie noch länger bleiben wollen», sagt Fabian Heuel vom FKK-Campingplatz am Rätzsee in Mecklenburg-Vorpommern.

Immer häufiger kämen auch junge Menschen vorbei, erzählt Heuel, der den Platz zusammen mit Martin Löser betreibt. Insgesamt hätten sich bei ihnen die Übernachtungszahlen in den vergangenen zehn Jahren verdreifacht. Das hänge vermutlich auch mit dem allgemeinen Camping-Boom zusammen.

Am ersten Sonntag im Juni feiern Anhängerinnen und Anhänger nach Angaben des Vereins Get Naked Deutschland traditionell den Welt-Naturisten-Tag. Auch auf dem Campingplatz am Rätzsee sind am Wochenende (6./7. Juni) Aktionen geplant – im besten Fall nackt.

Eingestaubte Vereine

Die Freikörperkultur (FKK) zelebriert gemeinsame Nacktheit und Naturverbundenheit. Und sie erlebt in Deutschland allmählich ein Comeback. Rund 35.000 Menschen sind aktuell Mitglied in einem FKK-Verein, sagt die Vizepräsidentin des Deutschen Verbands für Freikörperkultur (DFK), Manuela Fernandez. 2010 seien es knapp 40.000 Mitglieder gewesen, 2018 sei die Zahl auf gut 32.000 gesunken. Seitdem gehe es bergauf.

Viele der 120 Vereine seien aber ein wenig eingestaubt und hätten große Nachwuchsprobleme. Es komme vor, dass die Hälfte der Mitglieder über 60 Jahre alt sei. Dennoch seien in den vergangenen Jahren auch zunehmend jüngere Menschen ab 30 Jahren dabei.

«Denen ist wirklich wurscht, wie sie aussehen»

«Wenn man einmal nackt am Strand war, dann ist das ein Freiheitsgefühl, das habe ich mir vorher gar nicht vorstellen können», erklärt Fernandez. Es sei eine sehr ungezwungene und respektvolle Atmosphäre. «Denen ist wirklich wurscht, wie sie aussehen.»

Die meisten Naturisten sind laut Fernandez sportaffin, gerade seien Wanderungen hoch im Kurs. Beim Nackt-Wanderweg am Rätzsee, der vergangenes Jahr als Erster in Mecklenburg-Vorpommern eröffnete, sei die Resonanz «ziemlich gut», wie Löser sagt. Zwar seien die meisten auch nackt unterwegs, natürlich dürfe man dort aber auch angezogen entlangspazieren.


Bildnachweis: © Philip Dulian/dpa
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