22. Juli 2026 / Landkreis

Vom Schrottrad zum Ritterrad - ein nachhaltiges Projekt des Gymnasiums Ergolding

Ein Upcycling-Projekt verbindet Handwerk, Berufsorientierung und soziales Engagement!

Vom Schrottrad zum Ritterrad - ein nachhaltiges Projekt des Gymnasiums Ergolding
Veröffentlicht am 22. Juli 2026 um 16:14 Uhr

P-Seminar Geographie „Pimp a Bike – Nachhaltigkeit auf zwei Rädern“

Nachhaltigkeit erleben, Verantwortung übernehmen und mit den eigenen Händen etwas Besonderes schaffen – genau diese Ziele standen im Mittelpunkt des P-Seminars Geographie „Pimp a Bike – Nachhaltigkeit auf zwei Rädern“. Über ein gesamtes Schuljahr hinweg entwickelten und realisierten Schülerinnen und Schüler der 11. Jahrgangsstufe ein außergewöhnliches Projekt: Aus einem alten, ausrangierten Tandem entstand durch kreatives Upcycling ein einzigartiges Ritterrad, das anschließend für einen guten Zweck versteigert wird.

Die Projektidee entstand bereits beim ersten Treffen der Seminargruppe im September 2025. Schnell entwickelte sich der gemeinsame Wunsch, Nachhaltigkeit nicht nur theoretisch im Unterricht zu behandeln, sondern praktisch erfahrbar zu machen. Ein gebrauchtes Fahrrad sollte durch Restaurierung, kreative Gestaltung und handwerkliches Können wieder zum Leben erweckt werden. Gleichzeitig wollten die Schülerinnen und Schüler mit ihrem Projekt ein gesellschaftliches Zeichen setzen und den Erlös einer sozialen Einrichtung zugutekommen lassen.

Inspiriert vom immateriellen Kulturerbe der Region, der Landshuter Hochzeit, entstand die besondere Gestaltungsidee: Das Tandem sollte in ein außergewöhnliches Fahrrad im Ritter-Design verwandelt werden. Damit verband das Projekt regionale Identität, kulturelles Erbe, Nachhaltigkeit und kreatives Design zu einem einzigartigen Endprodukt mit hohem Wiedererkennungswert.

Von der Projektidee zur erfolgreichen Umsetzung

Von Beginn an übernahmen die Schülerinnen und Schüler eigenständig Verantwortung für Planung, Organisation und Umsetzung. Mithilfe grundlegender Projektmanagement-Methoden wurden die einzelnen Arbeitsschritte strukturiert und koordiniert.

Zu den zentralen Aufgaben gehörten:

  • die Suche nach einem geeigneten gebrauchten Tandem
  • die Erstellung einer Kostenplanung
  • die Entwicklung eines Finanzierungskonzepts
  • die Gewinnung von Sponsoren und Projektpartnern
  • die Organisation der Restaurierungsarbeiten
  • die Planung der Öffentlichkeitsarbeit
  • die Entwicklung einer Marketingstrategie
  • die Vorbereitung und Durchführung der abschließenden Online-Versteigerung

Um die ersten finanziellen Mittel für den Kauf des Tandems zu erwirtschaften, organisierten die Schülerinnen und Schüler eigenständig einen Kaffee- und Kuchenverkauf am Elternsprechtag. Mit den Einnahmen konnte schließlich ein geeignetes Tandem über eBay Kleinanzeigen erworben werden. Die Aufgaben innerhalb des Projektteams wurden nach individuellen Stärken verteilt. Während einige Schülerinnen und Schüler die Kommunikation mit Unternehmen und Partnern übernahmen, beschäftigten sich andere mit Marketing, Dokumentation, Organisation oder technischen Arbeiten. Regelmäßige Teamsitzungen, sowie digitale Abstimmungen über Microsoft Teams unterstützten die erfolgreiche Zusammenarbeit über das gesamte Schuljahr hinweg.

Restaurierung, Handwerk und kreative Gestaltung

Nach der Beschaffung begann die praktische Phase des Projekts. Das alte Tandem wurde vollständig zerlegt, technisch überprüft, restauriert und anschließend wieder fachgerecht aufgebaut. Dabei erhielten die Schülerinnen und Schüler wertvolle Einblicke in handwerkliche Arbeitsprozesse, Fahrradtechnik und die Bedeutung nachhaltiger Reparatur- und Wiederverwendungsstrategien.

Die professionelle Lackierung übernahm die Firma MIPA SE, die das Projekt als Hauptpartner intensiv unterstützte. In mehreren Arbeitsschritten wurde das Fahrrad hochwertig beschichtet und für die weitere Gestaltung vorbereitet. Anschließend entstanden zahlreiche individuelle Ritterelemente, die dem Tandem seinen einzigartigen Charakter verliehen.

Durch die Verbindung von Upcycling, Design, Handwerk und regionaler Geschichte entstand aus einem alten Fahrrad ein nachhaltiges Kunstobjekt auf zwei Rädern.

Zusammenarbeit mit außerschulischen Partnern und Berufsorientierung

Ein wesentlicher Bestandteil des P-Seminars war die Zusammenarbeit mit externen Partnern aus Wirtschaft, Handwerk und Gesellschaft. Ziel war es, den Schülerinnen und Schülern authentische Einblicke in verschiedene Berufsfelder zu ermöglichen und schulisches Lernen mit praktischer Erfahrung zu verbinden.

Besonders hervorzuheben ist die intensive Kooperation mit MIPA SE. Bei einer Betriebsbesichtigung konnten die Schülerinnen und Schüler verschiedene Unternehmensbereiche kennenlernen und praktische Erfahrungen in der Lackierung, sowie der professionellen Aufbereitung von Fahrradteilen sammeln. Gemeinsam mit der Marketingabteilung entstand außerdem ein professionelles Projektvideo, das den gesamten Entstehungsprozess dokumentiert.

Weitere wertvolle Erfahrungen sammelten die Schülerinnen und Schüler in Zusammenarbeit mit Fahrradfachbetrieben, sowie Partnern aus unterschiedlichen Handwerksbereichen. Dazu gehörten unter anderem:

  • MIPA SE als Hauptpartner
  • Fahrradfachbetriebe
  • der Männerladen mit Unterstützung im Bereich Lederverarbeitung
  • das Modehaus Oberpaur
  • der Lanzenbauer und Schreiner Peter Kollmeder aus Ergolding
  • der Blumenladen von Waltraud Spagl
  • weitere regionale Unternehmen und Unterstützer

Darüber hinaus erweiterten die Schülerinnen und Schüler ihre beruflichen Perspektiven durch die Teilnahme an einer Jobmesse, sowie am Tag des Handwerks. Einige Teilnehmerinnen und Teilnehmer konnten im Laufe des Projekts sogar Praktika oder Ferienjobs bei beteiligten Unternehmen absolvieren.

Nachhaltigkeit, soziale Verantwortung und gesellschaftliches Engagement



Das Projekt „Pimp a Bike“ verfolgt einen ganzheitlichen Nachhaltigkeitsansatz. Durch die Wiederverwendung eines alten Fahrrads wurde ein praktisches Beispiel für Ressourcenschonung, Kreislaufwirtschaft und nachhaltigen Konsum geschaffen.

Gleichzeitig stand von Anfang an der soziale Gedanke im Mittelpunkt. Das restaurierte Ritter-Tandem wird für einen guten Zweck versteigert. Die Online-Versteigerung läuft seit Freitag, den 17.07.2026, und endet am 22.08.2026.

Während des gesamten Zeitraums kann das außergewöhnliche Fahrrad im Modehaus Oberpaur besichtigt werden.

Die Versteigerung erfolgt online unter: www.tandem-versteigerung.de

Dort ist ebenfalls der Projektfilm abrufbar, der die einzelnen Phasen des Projekts von der ersten Idee bis zum fertigen Ritterrad zeigt.

Der gesamte Erlös der Versteigerung wird über die Kinder-Palliativ-Hilfe Niederbayern e.V. an eine Familie weitergegeben, die nach einem schweren Schicksalsschlag Unterstützung erhält. Damit verbindet das Projekt ökologische Nachhaltigkeit mit sozialer Verantwortung und gelebter Mitmenschlichkeit.

Persönliche Entwicklung und nachhaltige Wirkung

Während der gesamten Projektlaufzeit bewiesen die Schülerinnen und Schüler ein außergewöhnlich hohes Maß an Engagement, Eigeninitiative und Verantwortungsbewusstsein. Sie entwickelten nicht nur handwerkliche Fähigkeiten, sondern stärkten auch wichtige Zukunftskompetenzen wie, Teamfähigkeit, Kommunikationsfähigkeit, Organisation, Zeitmanagement, Problemlösungskompetenz, Kreativität, Eigenständigkeit und Verantwortungsübernahme.

Das Projekt zeigte eindrucksvoll, wie Schülerinnen und Schüler durch praxisorientiertes Lernen über sich hinauswachsen können. Sie lernten, eigene Ideen umzusetzen, Herausforderungen gemeinsam zu bewältigen und ein langfristiges Ziel erfolgreich zu verfolgen.

Ein einzigartiges Ergebnis mit Vorbildcharakter

Am Ende entstand weit mehr als ein restauriertes Fahrrad: Das Ritter-Tandem steht symbolisch für Nachhaltigkeit, Kreativität, regionale Verbundenheit und soziales Engagement.

Das P-Seminar Geographie „Pimp a Bike – Nachhaltigkeit auf zwei Rädern“ zeigt eindrucksvoll, wie moderner Unterricht außerhalb des Klassenzimmers funktionieren kann. Durch die Verbindung von Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE), Berufsorientierung, Projektmanagement, Handwerk und gesellschaftlicher Verantwortung entstand ein Projekt mit nachhaltiger Wirkung – für die Schülerinnen und Schüler, die beteiligten Partner und die unterstützte Familie.

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